Thumbnail of Cover of Frankfurt, May 2003 Clipping from the Frankfurt, May 2003 Issue of Prinz

Zerschnitten: Kostümentwurf für das Forsythe-Ballett | Claudia Hill entwirft Kostüme für Forsythe | Bloß nicht perfekt | Als Claudia Hill in der Schneiderei von Frankfurter Oper und Ballett zur Arbeit antrat, waren die Schneiderinnen irritiert: „Ich glaube, sie dachten zuerst: Das ist bestimmt die Assistentin der richtigen Designerin. Und als ich dann anfing, die Kostüme zu zerschneiden, habe ich gespürt, dass sie mir nicht ganz trauen“, erzählt die 34-jährige Modedesignerin aus Berlin. | William Forsythe hat Claudia Hill, die zehn Jahre in New York lebte und sich mit ihren eigenen Kollektionen dort und in Japan einen Namen gemacht hat, nach Frankfurt eingeladen, um für sein neues Stück „Decreation“ die Kostüme der Tänzer zu entwerfen. „Das ist ein aufregender Prozess, ständig ändert sich etwas, nach jeder Probe sieht das Stück anders aus“, beschreibt Claudia Hill die Arbeit mit dem Ballett-Neuerer Forsythe. Für sie ist diese Arbeitsweise „eine Wonne, denn in der Modeindustrie ist alles sehr streng, alles genau durchplant, der Termindruck enorm.“ Für ihre Entwürfe nimmt Hill vorhandenes Material, alte Kostüme aus dem Theaterfundus oder Herrenhemden, die sie in einem Laden in Brooklyn zum Kilopreis eingekauft hat. Diese Stoffe werden zerschnitten und in komplett neuer Gestalt wieder zusammengesetzt. Da verwandelt sich ein altes Nachthemd für den reifen Herren in ein Kleid für eine Tänzerin, da kriegt ein altes Sweatshirt edle Seide aufgenäht – irritierend, faszinierend und, so die Künstlerin, „niemals perfekt“. Sich ein Forsythe-Stück anschauen lohnt immer – diesmal sogar doppelt. | Alexander Jürgs | „Decreation“, 27. u. 28.4., 1.-5., 7.-10.5., 20 Uhr, Bockenheimer Depot | Ein bisschen schüchtern, wahnsinnig kreativ: Claudia Hill |
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